Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Fasern waschen, zupfen, kämmen, kardieren und mischen

Moderator: Claudi

Hummelbrummel
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Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von Hummelbrummel » 06.09.2015, 11:53

Hallo Zusammen,

eine Bekannte dachte an mich, als an ihrer Arbeitsstelle Lamas und Alpakas geschoren wurden, ich darf morgen hinfahren und Fasern mitnehmen.
Nun habe ich mit beidem keinerlei Erfahrung.
Die Tiere wurden geschoren, damit das Fell runter ist, also nicht, um die Fasern zu gewinnen. Und das, was da von ca 12 Tieren runterkam, liegt meiner derzeitigen Information nach auf einem Haufen in einer Scheune.
Die Tiere kamen in der Reihenfolge dran, in der sie sich einfangen ließen. Also auch nicht nach Lama und Alpaka getrennt.

Daher meine Fragen an die Erfahrenen unter Euch:

1. Habt Ihr Tipps für mich, auf was ich achten soll oder muss, wenn ich mir Wolle aussuche?
Woran erkenne ich gute Fasern? Wie unterscheide ich die beiden Faserarten?

(Bei wild gemischten Schafwollhaufen habe ich mittlerweile ganz gut im Blick, was etwas taugt und was nicht, aber der Weg dahin führte über arbeitsintensiven Versuch und Irrtum und vielleicht muss ich nicht jeden Fehler neu erfinden.)

2. Die Tiere standen anscheinend früher zusammen auf der Weide und so sind mehrere Generationen vertreten.
(Seit einiger Zeit sind sie wohl nach Geschlecht getrennt.)
Mischen sich Lamas und Alpakas, so dass ich auch noch damit rechen muss, Wolle von Mischlingen vorzufinden?

3. Die Fasern haben ja kein Lanolin. Kann man die ohne vorher zu waschen kardieren oder kämmen, oder wie handhabt Ihr das normalerweise?


Viele Grüße
Hummelbrummel

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von zwmaus » 06.09.2015, 12:26

Hmmm.... wie man die Fasern unterscheiden kann, dazu kann ich leider nichts sagen.
Such Dir auf jeden Fall welche raus, wo gar kein oder wenig Nachschnitt mit drin ist.
Verspinnen geht am besten ungewaschen aus der Flocke oder kardiert (auch ungewaschen). Ich hab Alpaka in der Vögelesmühle kardieren lassen und das Ergebnis ist super geworden.
lg
zwmaus

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von Asherra » 06.09.2015, 12:55

In den Berg rein graben, und nach lang und weich suchen? Dann sollte das Lama schon mal weg fallen (ist kurz), kein Nachschnitt, kein Filz, nix gelb verfärbtes, nichts was zu dreckig ist. Frau kann die Haare vorher waschen, muß aber nicht. Das Zeug ist nicht fettig, nur unendlich staubig und sandig.

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von shorty » 06.09.2015, 13:06

...mmmhhhh
ich würd sagen bis auf den Unterschied dass Lama in der Regel Grannenhaare hat, steht sie Alpaka in nichts nach...
Diese kann man gut rauszupfen weil sie überstehen und farblich meist abgesetzt sind.
Ansonsten hat zwmaus schon das wesentliche geschrieben.
Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen.

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von anjulele » 06.09.2015, 13:29

Ich würde mich durchwühlen. Zwölf Tiere, das sollte einigermaßen übersichtlich sein.
Kannst du grob (nicht jeden Fitzel!) einzelnen Vliesen zuordnen?
Nach Farben sortieren?
Und dann wirklich nur das heraus suchen, was wirklich weich, lang genug und - vor allem - sauber ist!

Ansonsten fällt mir dazu als allererstes ein: Wer hält sich warum solche Tiere? Warum auch immer weiß man doch, dass die regelmäßig geschoren werden müssen. Egal, ob Zirkus, Tierpark oder aus therapeutischen Gründen, gehört auch die Schur zu einer tierschutzgerechten Haltung dazu.

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von moniaqua » 06.09.2015, 14:28

anjulele hat geschrieben: Ansonsten fällt mir dazu als allererstes ein: Wer hält sich warum solche Tiere? Warum auch immer weiß man doch, dass die regelmäßig geschoren werden müssen.
Sie wurden doch geschoren. Dass die Leute keine Verwendung für die Fasern haben, halte ich für legitim, dass sie keinen großen Aufwand deswegen treiben, auch. Dem Tierschutz ist mit dem Scheren genüge getan; die Lamas und Alpacas haben herzlich wenig davon, wenn ihre Wolle sortiert wird ;)
Hummelbrummel hat geschrieben: Mischen sich Lamas und Alpakas, so dass ich auch noch damit rechen muss, Wolle von Mischlingen vorzufinden?
Soweit ich weiß, ja.
Servus,
Monika

Meine Spinnereien ;o)

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von Klara » 06.09.2015, 16:32

Lama, Alpaka oder Mischling - ich glaub' nicht, dass man die Haare so ohne weiteres unterscheiden kann. Ist ja eigentlich auch egal - wie schon mehrfach geschrieben ist in erster Linie wichtig dass die Haare lang und weich sind. Und es kann leicht sein, dass die Wolle vom Rücken der Lamas bessere Qualität liefert als die von den Beinen der Alpakas.

Ich würd' mich also durch den Berg wühlen - mehr als ein halber Zentner ist es nicht ;) - und einfach schauen, was will ich verspinnen. Das Einsacken und den Rest liegen lassen. Interessant ist vielleicht noch dass bei Alpakas die Qualität der weissen Vliese oft wesentlich besser ist als die der farbigen, vor allem schwarz ist gerne relativ grob. Wenn du da also ein tiefschwarzes Vlies finden solltest (bläulich, nicht mit dunkelbraunen Spitzen - das ist schon als Farbe extrem selten, ohne Berücksichtigung der sonstigen Faserqualität), dann würde ich an deiner Stelle mehr Nachschnitt in Kauf nehmen als bei häufigeren Farben. Undsoweiter - letzten Endes entscheidest nur du, was dir bei der Weiterverarbeitung Spass machen wird.

Wobei du deine Erwartungen am besten runterschraubst: Mein Scherer weiss, dass ich die Wolle von Hand verarbeite und kann sich trotzdem nicht dran hindern, Nachschnitte zu produzieren - obwohl er Scheren als Profi gelernt hat (der Tierarzt findet meine Schafe sehr schön geschoren, aber davon habe ich herzlich wenig). Und von jedem Alpaka ist höchstens die Hälfte des Vlieses erste Qualität, d. h. weich und lang (das sind die Haare vom Körper - das was unter einer Pferdedecke wäre). Der Rest ist entweder lang und grob (Schenkel, z. B.) oder weich und kurz (Hals) - das verarbeite ich noch. Unten an den Beinen sind kurze harte Haare, die sind für den Misthaufen.

Viel Glück! Klara

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von Hummelbrummel » 06.09.2015, 18:13

Vielen Dank für Eure Antworten.

Das hilft mir alles schon viel weiter.
Ich achte also zu allererst auf lang und weich. (Hatte zwar schon mal gehört, dass man bei solchen Viechern Unterwolle und Grannenhaare trennen soll, habe mir aber unter Unterwolle bisher immer was eher kurzes vorgestellt.)
Und schau dann, was mich sonst noch anlacht.

Anjulele: nach allem, was ich von meiner Bekannten gehört habe, gehe ich davon aus, dass es den Tieren gut geht. Ist eine Behinderten-Einrichtung mit sehr vielen Tieren und ein bisschen Landwirtschaft - und es ist genau wie moniaqua schreibt: Bisher hat sich noch niemand für die Wolle interessiert, weshalb sie immer entsorgt wurde.

Und die Krux mit dem Nachschnitt ist mir bei Schafwolle auch bekannt. Ich habe bisher nur so Wollhaufen gehabt, wo die Tiere geschoren wurden, damit sie nackt sind und ohne auf die Fasern zu achten. Da könnte ich manchmal heulen. Manchmal hatte ich schon den Eindruck, es macht den Scherern wohl besonders viele Freude, sich die saubersten Wollpartien mit dem schönsten Krimp und den längsten Fasern auszusuchen, um sie dann genau mittig zu durchschneiden und anschließend gründlich mit Köttelzotteln und Klauenschnitt zu durchmengen.... Die Köttelzotteln sind natürlich ohne Nachschnitt.

Falls es viel Nachschnitt gibt: Macht es dann Sinn, zu kämmen oder produzier ich dann v.a. Grannenhaarkammzüge?

Klara: Versteh ich das richtig: Schwarz ist zwar oft besonders grob, aber weil selten, trotzdem mitnehmenswert?

Und filzt die Wolle dieser Tiere eigentlich normalerweise auch?

Naja, ich bin mal sehr gespannt, was ich da vorfinde.
Ich werde berichten.

Viele Grüße
Hummelbrummel

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von Troll » 06.09.2015, 18:49

Ich habe seeeeehr viel Alpaka bekommen - und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass man besser nicht mit Handkarden kardiert. Das lohnt die Mühe nicht. Mit dem Kämmen war ich da glücklicher. Aus der Flocke verspinnen ist jetzt nicht so meins -zumindest nicht bei Alpaka.
Zu den Grannenhaaren: Ich habe Wolle mit den Grannen versponnen. Hat Vor und Nachteile. Die Wolle wird auf jeden Fall kratziger, da kann man nix machen. Im Gegenzug wird die aber auch stabiler, weshalb man sie auch für Socken verwenden kann. Bei meinem Sohn haben sie den ersten Winter unbeschadet überstanden, mal sehen, wie sie nach diesem aussehen...

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von XScars » 06.09.2015, 19:54

Die Grannenhaare beim lama lassen sich relativ leicht raussortieren... zumindest wenn man noch einigermaßen Locken erkennen kann... Schnittkante festhalten, die langen Grannenhaare lassen sich dann von der Spitze rausziehen... beim Lama, vor allem wenns nicht auf Wolle gezüchtet wurden gibts große Unterschiede... ich bekomme auch immer Wolle von Lamas, die einfach so als "Rasenmäher" leben, je nach Tier ist das kurz und fast gar nicht zu verwenden, lang mit deutlichen längeren Grannenhaare, das wird richtig schön wenn man sich die Mühe macht aber auch eigentlich schön, aber Grannenhaare etwa so lang wie die Unterwolle, was sich kaum verlesen läßt... wenn ich jetzt vor einem Berg Wolle stehen würde, dann würde ich einfach das raussuchen was schön und möglichst ohne Grannenhaare ist... völlig egal ob Lama oder Alpaka...

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von Nobitzki » 06.09.2015, 20:12

Das erste Kilo Apakawolle hat meine Frau teuer bei Ebay gekauft. Die Wolle war so was von dreckig X( wir mussten erst mal von Hand das Gröbste raussuchen. Dann haben wir es mit Kämmen versucht, was aber nicht funktioniert hat weil sich die Fasern so Statisch aufgeladen haben das sich nur ein Knäuel um die Kämme gebildet hat. Auch mit Handkarden war dem Zeug nur schwer beizukommen. Selbst mit der Kardiermaschine waren mindestens drei Kardierdurchgänge um ein halbwegs vernüftiges Ergebnis zu bekommen.

Später haben wir 20Kg Alpakawolle sehr günstig bekommen, sogar sortiert nach A und B Ware. Und diese Wolle ist eine wahre Freude.
Lange nicht so dreckig, 2 mal durch die Kardiermaschine, ohne zu Waschen, und gut is. :))

Wie man sieht, ist bei Alpaka wie beim Schaf, nicht Wolle gleich Wolle.

Aber bei so einem Berg wirst du bestimmt genügend brauchbare Wolle raussuchen können.

Gruß
Norbert

Klara
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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von Klara » 06.09.2015, 20:26

Hummelbrummel hat geschrieben:....Hatte zwar schon mal gehört, dass man bei solchen Viechern Unterwolle und Grannenhaare trennen soll, habe mir aber unter Unterwolle bisher immer was eher kurzes vorgestellt....
Alpakas sind grundsätzlich nicht "double-coated", die haben keine zu trennenden Strähnen. Da können ab und zu ein paar grobe Haare im Vlies sein, die man einzeln raussammelt, aber wenn's viele sind, macht man besser ein "stabiles" Garn, das dann halt nicht halstauglich ist.

Mit Lamas habe ich keine Erfahrung, da glaube ich XScars.
Hummelbrummel hat geschrieben:Manchmal hatte ich schon den Eindruck, es macht den Scherern wohl besonders viele Freude, sich die saubersten Wollpartien mit dem schönsten Krimp und den längsten Fasern auszusuchen, um sie dann genau mittig zu durchschneiden und anschließend gründlich mit Köttelzotteln und Klauenschnitt zu durchmengen....
Ganz so schlimm ist es bei meinem nicht, der zerstört nicht die Wolle an sich, sondern lässt nur manchmal an den "Ecken und Kanten" des Tieres zuerst mal ein paar Millimeter stehen. Die Millimeter fehlen mir gar nicht und würden mich auch nicht stören, wenn sie am Tier blieben. Aber nein, er geht dann noch mal drüber und lässt mir ein Büschel 3 mm kurze Haare in die Wolle fallen, wo ich dann jedes einzeln von Hand rauszupfen darf. ("Die fallen doch raus, wenn man das Vlies ausschüttelt." Ne, Alpakavliese kann man nicht ausschütteln, die fallen auseinander. Und aus irgendeinem Grunde klebt der Nachschnitt am Rest als ob beides magnetisch wäre. Grrr...)
Hummelbrummel hat geschrieben:Falls es viel Nachschnitt gibt: Macht es dann Sinn, zu kämmen oder produzier ich dann v.a. Grannenhaarkammzüge?
Ausprobieren - hängt davon ab, wie die Vliese sind.
Hummelbrummel hat geschrieben:Klara: Versteh ich das richtig: Schwarz ist zwar oft besonders grob, aber weil selten, trotzdem mitnehmenswert?
Grundsätzlich ja, aber ich habe "tiefschwarz", true black, gemeint. Die meisten schwarzen Alpakas sind dunkelbraunschwarz mit ausgebleichten Spitzen (im Prinzip genau wie Schafe. Warum das Garn trotzdem schwärzer wird als das der meisten Schafe ist eine der letzten Fragen der Spinnerschaft.) Und dann müsste man noch "besonders grob" definieren: Bei mir hatte vor zwei Jahren der rote (Archie) 19 micron und der schwarze (Bertie) 26 micron - bei Schafwolle wären 26 micron ja noch nicht "besonders grob". Das Labor nennt es "strong". Schau's dir einfach an und überleg', wie lange du bereit bist, dich mit dieser Wolle zu beschäftigen. Nur weil's Alpaka ist, muss es ja noch kein Vergnügen sein, mit der Wolle zu arbeiten. Und dann brauchst du dich auch nicht damit abzumühen - lieber eine schöne Schafwolle als ein minderwertiges Alpakavlies.

Immerhin hast du den Vorteil, dir die Fasern anschauen zu können und fällst nicht beim Blindkauf rein wie so mancher andere.
Hummelbrummel hat geschrieben:Und filzt die Wolle dieser Tiere eigentlich normalerweise auch?
Wenn man's nicht brauchen kann, auf jeden Fall. Wenn man Filz will, nicht unbedingt. Traurig aber wahr, und ich denke das hängt einfach mit den riesigen Unterschieden in der Vliesqualität zusammen. Eine Filzerin hat mal steif und fest behauptet "mit Alpaka kann man gar nicht filzen", was ich aber bei der Alpakashow in Bourges wiederlegt habe, da habe ich mit Seifenwasser ein Kügelchen geknetet. Und Troopers Vlies (von dem habe ich keine Faseranalyse) ist mir letztes Jahr beim Waschen wesentlich mehr zusammengeklebt als ich gewollte hätte. Berties hat die gleiche Behandlung ohne Probleme überstanden.

Ich bin schon gespannt, was du erleben wirst!

Ciao, Klara

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von Anna » 06.09.2015, 21:19

Ich habe grässlich kratzige Alpaka (Klara erinnert sich vielleicht, hab ihr mal eine Probe geschickt), die ich wegen der schönen Farbe immer noch aufhebe, obwohl sie für Kleidung gar nicht verwendbar ist. Damit habe ich mal einen Filzversuch gemacht. Das ging schon. Allerdings war es Strickfilz.

Übrigens habe ich auch einen Beutel kohlschwarze Alpakawolle, die sehr schön weich ist. Aber ich hab sie noch nicht versponnen. Vielleicht ist die nach dem Spinnen auch kratzig :(
"Wenn ich mich vor solchen Kerlen fürchte, kann ich mein Langschwert gleich gegen Stricknadeln eintauschen." (Brienne)

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von Klara » 07.09.2015, 14:12

Anna hat geschrieben:...

Übrigens habe ich auch einen Beutel kohlschwarze Alpakawolle, die sehr schön weich ist. Aber ich hab sie noch nicht versponnen. Vielleicht ist die nach dem Spinnen auch kratzig :(
Muss nicht sein, "grob" ist ja relativ. Wenn die Leute Berties Wolle anlangen sagen sie auch alle "schön weich ist das!". Und im Vergleich zu meinen Schafwollen ist sie es ja auch. Im Vergleich zu Archies und Troopers Wolle eher nicht...

Und ja, an deine Probe erinnere ich mich - ich hab' sie ja unter weisse Schafwolle gemischt, was einen Stichelhaareffekt gegeben hat wie bei Solognote. Heute würde ich sagen, die Wolle - eigentlich eher Haare - war von unten an den Beinen. Oder der Lieferant ist vom Vlies her unter aller S...

Ciao, Klara

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Re: Fragen zu Alpaka und Lama - Rohfaserverarbeitung

Beitrag von Hummelbrummel » 07.09.2015, 19:03

So, ich bin wieder da.
Es war alles ganz anders:
Von den 13 Tieren wurde nur die Hälfte geschoren.
Die Fasern lagen nicht auf einem Haufen, sondern waren bereits in drei große blaue Mülltüten verpackt. Um mir den Inhalt und die verschiednen Farben zu zeigen, wurde eine aufgeschnürt und die nette Frau grub einmal durch, was das Sortieren sicher nicht erleichtern wird. Weil mir auch gleich auf Anhieb halbierte Faserbündel und Nachschnitt ins Auge sprangen, nahm ich wirklich alle Säcke mit. Es sind ja doch ziemliche Überraschungpakete und voraussichtlich viel Abfall.
Dann durfte ich mir die Tiere angucken.

Alpakas zwecks Farbe etc zu fotografiere ist ja echt schwierig. Kaum sehen sie eine Kamera, kommen sie sofort und gucken frontal hinein. Kein Wunder, dass es so viele solche Alpaka-Grins-Fotos gibt.
Auf der nächsten Koppel stehen Steinschafe, was aus deren Wolle geworden war, wusste die Frau nicht. (Sie kümmert sich um die Alpakas und Lamas, ihr Mann um die Schafe).
Als ich dann wieder zu Auto kam, stand da ein Mann: Er: Do is'd Schofwoi. Ich: Nehm i a. Er: Is net g'woschn und nix. Ich: Keen i scho.
Also lud er mir noch drei blaue Säcke Steinschaf ein.

So. Zuhause musste ich mich dann erst mal sortieren und überlegen.
Ich schüttete zunächst mal den kleinsten Schafwollsack aufs Kaninchengehege und siehe da: Zum ersten Mal habe ich ein zusammenhängendes Vlies wie aus dem Bilderbuch! Allerdings könnte es sein, das die Rückenpartien stark verfiltz sind. Vielleicht sind sie aber auch nur lanolinverklebt. Die Schafschur war wohl früher im Jahr. Man wird sehen. Die Fasern gefallen mir richtig gut, sind aber sehr stark eingestreut.
Dann öffnete ich den kleinsten Lamalpakasack:
Obenauf lag cremefarbige Wolle, ofenbar von einem Tier, darunter ist alles gut durchmengt. Die Grannenhaare (vermutlich) des schwarzen Lamahengstes sind schon ganz hübsch in den hellen Fasern verteilt.
Ich denke, auch die weiße Wolle obenauf ist von einem Lama, denn ich glaube, da sind auch Grannenhaare dabei. Wenn ich die vorne rausziehe, sind die restlichen Fasern aber eher kurz, oder? Auch die hellbraunen Fasern ohne Grannen finde ich nicht gerade lang.
Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt.
Vielleicht werde ich mir beim Sortieren gleich die Trommelkarde bereitstellen und wenn ich jede Faser sowieso einzeln ausziehen muss, diese dann gleich auf die Rampe legen.
Vielleicht bei so Gemengelagen auch gar nicht erst, reine Farben zu erhalten sondern mache gleich Melange. Mal sehen.
Naja, jedenfalls werd ich dabei gaaanz viel lernen.
So. Jetzt gibts noch ein paar Fotos.
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