Patronen lesen - eine Anleitung

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Moderator: Rolf_McGyver

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weberin
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Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von weberin » 24.07.2011, 12:24

Hallo zusammen,

etwas spät, aber immerhin :O komme ich der Bitte nach, mal eine Hilfestellung zu geben, wie man Patronen liest. Zunächst ein Bild, dann geht es einfacher. Ich habe mal den allseits beliebten Flechtköper hergenommen.
Flechtköper-KontermarschErklaerung.jpg
Am weitesten verbreitet sind die Patronen, die auch die Verschnürung für einen Kontermarschwebstuhl enthalten. Für Hebelwebstühle sind die aber auch lesbar. Das kommt dann im zweiten Teil.

Die Patrone teilt sich in vier Bereiche auf:
Teil 1: das Gewebeschema
ist nicht immer vorhanden und zeigt eigentlich nur schematisiert, wie das Muster dann gewebt aussieht. Um den Webstuhl einzurichten, braucht man diesen Teil nicht. Er ist lediglich dazu da, eine Vorstellung zu geben, wie das fertige Teil "ungefähr" aussieht. Diese Muster zeigen immer das, was man bekommt, wenn man in Kette und Schuss gleich dicke Garne verwendet. Nimmt man unterschiedliche Garnstärken, kann das Ergebnis ziemlich "verfremdet" werden.
Teil2: Einzug in die Litzen
Man kann sich das so vorstellen, dass man von oben auf seine Schäfte schaut. Dann ist die unterste Reiche der vordere Schaft und die hinterste Reihe der letze Schaft. Im konkreten Beispiel haben wir 8 Reihen und benötigen somit 8 Schäfte. Nun muss man die Fäden genau in der Reihenfolge auf die Schäfte einziehen, wie das Muster vorgibt. In unserem Fall ist das sehr simpel. Es gibt aber auch weit kompliziertere Varianten.
Hier zu Beispiel die Kuvikas-Patrone, wo man dann schon genauer aufpassen muss, was man wo einzieht:
Teppich-Kuvikas-Patrone.jpg
Teil3: Verschnürung
Teil 3 zeigt an, wie der Webstuhl verschnürt werden muss. Hierbei ist es eigentlich egal, ob man den schwarzen Kästen den Hochzug zuordent und den weißen den Tiefzug oder umgekehrt. Wichtig ist nur, dass man es sich zwischendrin nicht ander überlegt und das schema umdreht. Ich setze für unser Beispiel mal schwarz = Hochzug und weiß = Tiefzug
Bei der Verschnürung ist jede Spalte ein Tritt und jede Reihe wieder ein Schaft.
Das heißt hier konkret, dass auf dem 1. Tritt die Schäfte 1,2 und 8 hoch und die Schäfte 3 bis 7 tief gebunden werden. Auf Tritt 2 weden die Schäfte 1, 7 und 8 hoch und 2 bis 6 tief gebunden und so weiter.
Man muss die Tritte nicht genau in der Reihenfolge der Patrone anbinden. Da ist freie Entscheidung und abhängig von der Trittfolge.
Teil 4: Trittfolge
Der vierte Teil zeigt an, in welcher Reihenfolge die Tritte getreten werden. Dabei fängt man in der unteren Reihe an zu lesen und arbeitet sich den Rapport nach oben durch, wenn man fertig ist, fängt man unten wieder an.
In unserem konkreten Beispiel heißt das, dass alle Tritte der Reihe nach von links nach rechts einmal getreten werden und dann geht es links von Neuem los.

Man kann die Anbindung und die Trittfolge auch abändern, um eine gleichmäßige Tretweise hinzubekommen.
Würde man die Anbindung so wie auf dem Bild machen, müsste man beim Weben immer die Tritte von 1 bis 8 von links nach rechts durchtreten, was keine optimale Bewegungsreihenfolge ist. Ich persönlich trete lieber abwechselnd auf der linken und der rechten Seite, so dass ich folgendermaßen umsortieren würde:
Spalte 1 = Tritt 1
Spalte 3 = Tritt 2
Spalte 5 = Tritt 3
Spalte 7 = Tritt 4
Spalte 8 = Tritt 5
Spalte 6 = Tritt 6
Spalte 4 = Tritt 7
Spalte 2 = Tritt 8
Alles Klar? ;)
Das bedeutet, dass ich immer abwechselnd links/rechts trete und von uußen nach innen, also 1,8,2,7,3,6,4,5 Ist angenehmer. :))
Sowas kann man machen, muss man aber nicht.

Was mein Beispielbild nicht zeigt, aber häufiger vorkommt, ist eine "Klammer" über den Litzen oder neben den Trittfolgen mit einer Zahl dran. Das ist dann ein Wiederholungsfaktor und sagt an, wie oft man diese Sequenz direkt wiederholen soll, bevor man zur nächsten übergeht. Das ist so ähnlich wie die *-Klammern in Strickanleitungen.

Umsatzung für Hebelwebstühle
Wenn man einen Hebelwebstuhl hat, ist die Verschnürung (Teil 3) die "Hebelfolge". Hier muss man jetzt im wahrsten Sinn des Wortes einmal um die Ecke denken. Sie Spalten, die für die Kontermarschwebstühle, die Tritte anzeigen, sind hier die Hebelreihen. Will man dieses Muster also mit einem Hebelwebstuhl weben, würde man das folgendermaßen machen:
1. Reihe = 1. Spalte = Hebel 1, 2 und 8 hoch
2. Reihe = 2. Spalte = Hebel 1, 7 und 8 hoch
3. Reihe = 3. Spalte = Hebel 3,4, 7 und 8 hoch
....
Und so weiter bis man recht angelangt ist und dann geht es links wieder von vorne los.

So, ich hoffe, ich habe jetzt nicht alle Klarheiten beseitigt und wünsche viel Erfolg. :gut:

Viele Grüße,
Ulli
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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von Bakerqueen » 24.07.2011, 15:54

Bei der Hebelwebstuhl-Umsetzung wäre dann beim Flechtköper doch die 1. Reihe Hebel 1, 2 und 8 hoch? Oder?
lg, Silvia
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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von EmiFR » 24.07.2011, 17:05

Danke Danke Danke!!!!!
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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von krista » 27.07.2011, 16:14

Vielen vielen Dank!

D.H. also, wenn die Verschnürung für einen Kontermarsch angeben ist, kann ich es "1 zu 1" für den Hebelwebstuhl umsetzten. Die Verschürung für andere Webstühle ist dann aber wieder anders zu lesen, oder?
lg Krista

ps. bei der Spalte 1 wäre aber 1,2 und8 hoch, oder?

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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von weberin » 27.07.2011, 19:28

So, Spalte 1 Fehler korrigiert.

Das 1:1 Übernehmen funktioniert, wenn, so wie hier im Beispiel die Trittfolge einfach nur "gerade durch" ist. Wenn eine kompliziertere Trittfolge angegeben ist, sollte man sich das "umschreiben.
Dazu macht man sich ein Raster, das die Hebel von links nach rechts zeigt und trägt in die "Reihen" die Kästchenfolge der entsprechenden "Spalte" ein, die in der Trittfolge angegeben ist. Klar? ?(

Für andere Webstühle funktioniert die Verschnürung auch. In der Regel sind die ja nur dahingehend unterschiedlich, dass nicht beide Richtungen, also hoch UND runter, angebunden werden, sondern nur eine. Also bindet man entweder die schwarzen Kästchen an und ignoriert die Weißen oder eben umgekehrt. Das Ergebnis ist das selbe.

Viele Grüße,
Ulli
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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von krista » 28.07.2011, 15:41

Ich steh' offensichtlich auf der Leitung ... wenn die Verschnürung für den Kontermarsch angegeben ist, kann ich das für den Hebelwebstuhl "übersetzen". So weit so gut. Was mach ich aber, wenn keine Verschnürung angegeben ist? Wie mach ich das dann für den Hebel-WS? Hab' da irgendwie ein Loch im Kopf .... Danke für Deine Hilfe!
lg Krista

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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von efeuelfe1975 » 09.02.2012, 19:55

Hallo

Also ich möchte wagen, dass man deine Antwort mit " ja beantworten" kann. In meinem Kurs müstest du Hebel 1,2, und 8 hochziehen, dann den Schuss einbringen und dann hoch auf Zeile 2 rücken...

Lieber Gruss

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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von anne » 28.12.2012, 14:50

Hallo,

ich hänge mich mal mit einer Frage hier an, weil ich weder über die Suchfunktion noch in meinem Handbuch weben weiter komme.

Ich habe das Buch mit Patronen für vier Schäfte, das tolle Muster bietet, aber leider auf englisch ist. Deshalb finde ich bei einer Sache nicht heraus, was das bedeutet soll.
In der Spalte für die Trittreihenfolge, bei der es bei Frau Arndt nur schwarze Kästchen gibt, stehen dort Zahlen. Wenn da eine eins steht, bedeutet das offenbar, dass der Tritt einmal getreten wird. Wenn mehrere der Zeilen dort mit einer Klammer und einer Zahl versehen sind, muss man die Reihenfolge mehrmals treten - so weit, so klar.
Was ist aber, wenn da in einem Kästchen eine drei steht? Ich kann doch eigentlich nicht den gleichen Tritt dreimal betätigen - oder doch? Vom Muster her würde das schon hinkommen (also optisch geschlussfolgert), aber ich löse doch dann den Schuss vorher auf??? Oder muss ich dann nur den Schussfaden um den äußeren Kettfaden wickeln?

Es wäre schön, wenn ihr mir helfen könntet, da ich ungern eine Kette nur zum Ausprobieren aufziehen möchte...

Liebe Grüße,

Anne

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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von Blue » 28.12.2012, 15:30

Nicht wenn du am Rand eine Bindung hast. Ich hab da bei Köper und solchen Mustern immer ein zwei Fäden die nicht in die Verschnürung kommen. Da muß ich dann das Schiffchen immer drum führen. Auf der Hinreihe darüber auf der Rückreihe darunter. Ist doch wie bei der Panama Bindung (Ich hoffe die heißt wirklich so). Da muß ich auch jede Reihe doppelt weben.

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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von Sephrenia » 28.12.2012, 18:26

Bist du bei den Overshot-Mustern? Da kommt zwischen die in der Patrone eingezeichneten Musterschüsse immer noch ein Schuss Leinwandbindung - ganz oben steht dann was von "use alternating tabby picks after each pattern pick".

LG Kiki

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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von anne » 28.12.2012, 18:29

Ahhhhhhhhh - da leuchtet der Kronleuchter - da wäre ich nie drauf gekommen!

Danke!

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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von Sephrenia » 28.12.2012, 18:45

Dafür hatte ich bisher die Sache mit den Zahlen in den Kästchen noch nicht realisiert - wie gut, das wir uns hier gegenseitig auf die Sprünge helfen können :D!

LG Kiki

anne
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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von anne » 28.12.2012, 19:33

Das gefällt mir :)

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Re: Patronen lesen - eine Anleitung

Beitrag von Aodhan » 30.12.2012, 03:28

Danke! Danke!! Danke!!! :freu:
Danach hab ich schon lange gesucht!
"If more of us valued food and cheer and song above hoarded gold, it would be a merrier world." - J.R.R.Tolkien

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