Welche Kardiermaschine??

Fasern waschen, zupfen, kämmen, kardieren und mischen

Moderator: Claudi

Minou
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Welche Kardiermaschine??

Beitrag von Minou » 20.06.2019, 13:29

Hallo

Da ich in Zukunft mehr mischen möchte überlege ich mir eine Kardiermaschine anzuschaffen. Das einzige wo ich mir im Moment sicher bin ist, dass der Kardenbelag so um die 20cm breit sein sollte.
Jetzt schwanke ich zwischen der Ashford oder dem Littlefoot...
Hat jemand Erfahrung mit diesen Maschinen? Was sind die Vor- und Nachteile?

Lieder habe ich nicht die Möglichkeit selbst zu testen.

LG Minou

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von Klara » 21.06.2019, 10:27

Darf ich fragen, warum du 20 cm Breite willst? Willst du (eventuell irgendwann mal) filzen? Denn zum Spinnen braucht man die 20 cm Breite definitiv nicht. Ich hab' 10 Jahre lang glücklich mit meiner Louet Junior (10 cm Walzenbreite) gearbeitet und mir vor ein paar Monaten einen normalbreiten E-Karder gekauft - und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich es nicht bereue, nicht die schmale Version genommen zu haben.

Weil es nämlich VIEL leichter ist, das Vlies von der schmalen Walze abzuziehen!!!

Und mit der breiteren Walze arbeitet man auch nicht schneller, weil die Zeit zum Fasern auflegen ja direkt proportional zur Fasermenge ist. Und die Zeit zum Dreck rausfischen ist direkt proportional zur Dreckmenge...

Persönlich kenne ich die beiden von dir genannten Modelle nicht, aber wenn ich mir den Littlefoot (du meinst das Teil, das auf E-Bay von Ars Vivendi Design angeboten wird, oder?) so anschaue, fällt mir die offenliegende Mechanik auf. Da wirst du ununterbrochen am Fasern rausfummeln sein - kauf am besten gleich eine Pinzette und einen Zahnpiekser (Zahnarztwerkzeug). Andererseits kommst du natürlich gut ran an die Fasern - den Ashford wirst du ab und zu zerlegen müssen (ich hoffe, das geht problemlos). Aber von der Finition her gefällt mir der Ashford eindeutig besser.

Und du weisst, dass es noch einige andere Hersteller gibt? Markennamen (in alphabetischer Reihenfolge fallen mir spontan ein: Brother Drumcarders, Classic Carder, Clemens & Clemens, Fancy Kitty, Louet, Tom Walther) und E-Bay-Bastler (ich hätte mir beinahe so eine gekauft: https://www.ebay.de/itm/UncleKolyas-Dru ... 3803103241).

Aber für mein Gefühl kann man mit allen arbeiten, und man muss ich mit jeder erst einarbeiten. Beim Kardiermaschinenvergleich unserer Spinngruppe hat am Ende jede ihre eigene am liebsten gemocht...

Ciao, Klara

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von XScars » 21.06.2019, 11:04

Von Woolmakers gibt es auch noch Kardiermaschinen...

Ich muss sagen ich hatte zuerst den Ashford Wild Carder (10 cm breit aber längere Nadeln) und habe mir dann den Ashford Extra Wide Carder gekauft (30cm breit). Kaufgrund für den ersteren war, dass ich nicht viel Stellplatz hatte, Kaufgrund für den letzteren war, dass ich zunehmend größere Mengen kardiert habe und er nicht wirklich viel teurer war als der 20cm breite und mir der Wildcarder dann doch zu schmal war.

Natürlich geht jetzt auf den breiten nicht 3x so viel drauf wie auf den Wild Carder, der macht schmale aber dickere Batts. Aber ich finde den breiten schon effektiver, weil ich einfach Fasern auf 30 cm Breite verteilen kann und dann die kurbeln kann, während ich beim schmalen halt viel weniger Fasern auf einmal einkurbeln kann. Ich habe jetzt allerdings keine Zeitvergleiche gemacht, vielleicht kommt es mir auch nur so vor ;-)

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von Minou » 21.06.2019, 19:12

Danke für eure Meinungen!

Über eine schmale Maschine hatte ich anfangs auch nachgedacht.Preislich sind die günstiger und brauchen natürlich auch weniger Platz. Aber ich denke, wenn ich für ein Projekt Wolle kardiere, bei dem ich eine größere Menge brauche und auch unterschiedliche Fasern mische die ja halbwegs ein gleichmäßiges Bild ergeben sollen, brauche ich bei der breiten Maschine weniger Durchgänge, als bei einer schmalen...
Ach ich weiß nicht. Je mehr ich nachgrüble, umso schwieriger wird die Entscheidung :rolleyes:

LG

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von Spinnwinde » 22.06.2019, 17:24

Wenn du auch ArtBatts, also Mischungen aus diversen Fasern und Farben machen möchtest, bist mit einer regulär breiten besser dran, da mehr Spielbreite. ;)

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von Arachnida » 22.06.2019, 18:48

Also ich hab einen Classic Carder aus UK und der Vorteil dieser Maschine wäre, da es eine kleine Manufaktur ist, dass es Rollen zum Wechseln gibt. dh du könntest dir mehrere Rollen in verschiedener Feinheit zulegen und diese nach Bedarf wechseln.

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von Klara » 23.06.2019, 10:58

Man kann auch auf einer schmalen Karde sehr gut mischen - wie XScars schon gesagt hat, die Batts der schmalen Karden sind dicker (die Beläge haben längere Nadeln - zumindest bei Ashfor, Brother und Louet).

@XScars: Wie kriegst du die Batts von der extra breiten Walz runter? Ich find's bei 20 cm schon eklig genug, auch mit Rolle...

Minou, wenn du ernsthaft an grosse Mengen denkst, wäre vielleicht ein Karde, die man (später mal) mit Motor aufrüsten kann eine Idee. Da müsstest du allerdings in USA bestellen - Fancy Kitty bietet das standardmässig (die verkaufen Motorbausätze zu den Karden), bei Brother müsstest du anfragen, ob du's selber machen kannst.

Gibt's eigentlich gebraucht gerade keine? Es müssten doch eigentlich ein paar Spinnerinnen aufgehört haben und ein paar Karden ungenutzt rumstehen...

Ciao, Klara

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von Minou » 23.06.2019, 20:34

Eine gebrauchte Kardiermaschine habe ich bis jetzt noch nicht gefunden.
Hab aber auch noch nicht so intensiv danach gesucht.
Der Karder mit den wechselbaren Rollen ist wirklich praktisch. Aber mir wird wohl 72ppi reichen.

Gehen die Batts von einer 20cm breiten Rolle wirklich so schwer ab?
Wie lange sind die Vliese bei einer schmalen Kardiermaschine?

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von XScars » 24.06.2019, 11:17

Klara hat geschrieben:.

@XScars: Wie kriegst du die Batts von der extra breiten Walz runter? Ich find's bei 20 cm schon eklig genug, auch mit Rolle...
Ganz normal? Ich öffne das Batt an der Rinne und ziehe es über die hintere Kante ab. Wenns mal irgendwo hakt helfe ich mit dem Abnehmestab vorsichtig nach. Ich packe das aber nicht voll, ich bekomme da auch keine 100 wie in der Beschreibung steht drauf, sondern max. 50 gr.

@Minou: die Anzahl der Durchgänge hängt nicht von der Breite der Karde ab, sondern von der Vorbereitung der Fasern (wie gut du vorher gezupft hast), wie du die Fasern zuführst und wie sehr du die Fasern gemischt haben willst.

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von Klara » 24.06.2019, 13:56

Minou hat geschrieben:....
Wie lange sind die Vliese bei einer schmalen Kardiermaschine?
Müsstest du bei den Herstellerangaben nachlesen (ich hab's nicht im Kopf und die Louet) - aber eher länger als bei 20 cm breiten Walzen. Ausser, das ist eine optische Täuschung...

Ja, ich finde das Vlies abnehmen bei meiner neuen Brother (72 tpi Belag) sehr eklig. Das kann natürlich sowohl an der Breite liegen, als auch an diesem speziellen Belag, als auch an daran, dass es bei meiner alten Louet mit ihrem abgearbeiteten Belag vielleicht leichter geht als bei einem neuen Belag (die Nadeln sind nicht mehr gleichmässig verteilt sondern stehen jetzt paarweise, mit grösseren Lücken dazwischen. Und ein paar Nadeln fehlen auch...)

50 g für extra-breit finde ich wenig - die kriege ich mit der entsprechenden Wolle (lang und dick) auch schon auf meine 20 cm breite Walze. Mit Alpaka sind's noch 36 g (45 waren zu viel - 36 war die nächste Zahl, wo ich mein Mischverhältnis rechnen konnte). Auf der Louet Junior hatte ich mit 25 g gerechnet, das passte für die meisten Wollen.

Insgesamt bin ich mir aber ziemlich sicher, dass man sich nach Einarbeiten mit jeder Karde anfreunden kann, von daher würde ich durchaus mal ernsthaft auf die Suche nach einer gebrauchten gehen. Und was einem auch klar sein sollte: Im Gegensatz zu Handkarden und Kämmen muss man die Locken (wenn man mit gewaschener Rohwolle anfängt) für die Trommelkarde vorzupfen, und das dauert ewig lange und ist eine Dreckarbeit...

Ciao, Klara

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von XScars » 26.06.2019, 14:59

Vielleicht geht auch etwas mehr drauf. Ich wiege es meist nicht so genau ab. Ich mag aber nicht so komprimierte Vliese, daher stelle ich jetzt die Bürste nicht so ein, dass es mir alles total reinbürstet, ich finde wenn es so voll wird landet halt mehr auf der kleinen Walze...

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von Minou » 26.06.2019, 17:56

Im Gegensatz zu Handkarden und Kämmen muss man die Locken (wenn man mit gewaschener Rohwolle anfängt) für die Trommelkarde vorzupfen, und das dauert ewig lange und ist eine Dreckarbeit...
[/quote]

Jaaa auf das freue ich mich schon am meisten. :D
Aber die Kardiermaschine will ich jetzt nicht nur speziell für die Rohwolle.

Braucht man eigentlich unbedingt diese Packer Brush?
Und lassen sich auf breiten Maschinen auch kleinere Mengen kardieren?

LG

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von anjulele » 26.06.2019, 22:26

Ich benutze eine große, feste Bürste aus dem Drogeriemarkt. Die halte ich für ein paar Umdrehungen gegen die große Walze.

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von Klara » 27.06.2019, 12:55

Die Louet Junior kommt ohne Bürste und ich hab' sie nie vermisst! Bei der Louet greifen aber die Zähne der beiden Walzen leicht ineinander (sagt man - so genau habe ich da nie hingeschaut, da ja nichts verstellbar ist).

Die motorisierte Brother kommt mit Bürste, und wenn ich vergesse, sie hinzuklappen (zum Vlies abnehmen muss man sie hochklappen), dann liegen die Haare oben auf der grossen Trommel drauf (aktuell beim Alpaka ganz deutlich). Ausserdem kann's ja nicht schaden, wenn das Vlies noch mal gebürstet wird. Da habe ich den Walzenabstand so eingestellt, dass die Zähne nicht ineinandergreifen.

Ich verstehe ja sowieso nicht, wieso man die Walzen so einstellen soll, dass die Zähne nicht ineinandergreifen - und dann drückt man eine Bürste auf die Walze. Für mich ist das gehupft wie gesprungen (vor allem, wenn ich lese, dass manche Leute statt der Tapetenbürste eine Handkarde nehmen)... Kann mir das jemand erklären?

Kleine Menge auf breiter Maschine ist in sofern problematisch, als erst ab einer gewissen Dicke ein abnehmbares Vlies entsteht - vorher sind's nur lose Fasern. Theoretisch sollte es zwar möglich sein, auch auf eine breite Trommel nur schmal aufziehen zu lassen - aber praktisch nehme ich doch lieber meine Junior, wenn ich eine Farbmischung mit kleinen Mengen ausprobieren will. Oder Handkarden, wenn's Winzmengen sein sollen (aber ich gebe zu, mit denen ist Mischen wirklich eklig).

Ciao, Klara

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Re: Welche Kardiermaschine??

Beitrag von Minou » 28.06.2019, 14:44

Danke für Eure Meinungen.
Nach langem hin und her überlegen und vergleichen wird es wohl
eine Ashford werden.

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