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 Betreff des Beitrags: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 16.01.2016, 13:21 
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Dochtgarn
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Weil sich nicht jeder mit gebrauchten Spinnräder beschäftigt, möchte ich hier als „Fortsetzungsbericht“ anhand von einem Spinnrad Ashford Traveller mal unsere Herangehensweisen von A wie Ankauf bis S wie Spinnbereit zeigen.

Gleichzeitig soll über die Angaben zum nötigen Material auch eingeschätzt werden, ob dieser Kauf und die Instandsetzung auch noch kommerziell sinnvoll war. Eine Bewertung der Arbeitszeit sprich „Manpower“ wird hier bewusst in Rahmen der Nachkalkulation ausgeklammert, denn sonst wäre dies hier kein Hobby. Vielleicht macht es Lust auch mal ein altes Rad zu besorgen und zum wieder zum richtigen Einsatz zu bringen.

Bleiben wir heute mal bei Ankauf
Es sollte ein Ashford Traveller für wenig Geld als Reisespinnrad für meine Frau beschafft werden. Ich weiß das Traveller ist kein echtes Reisespinnrad wie der Name es vermuten lässt, aber es ist sehr robust und passt prima in den Kofferraum in unser Auto.

Also wie bei allen anderen in unserem Haus befindlichen Rädern wurde Spinnrad-Memory geübt :)) , das heißt es wurde auf Herstellerseiten, Forum etc. solange die vorhandenen Fotos angeschaut, damit ich an Hand der auch unscharfer, unsinniger Fotos ein Traveller ohne die Angabe Typbezeichnung / schlechte Fotos bei eBay-Kleinanzeigen erkennen konnte.

Nach meinen Erfahrungen sind bei eBay-Kleinanzeigen die Räder am preiswertesten, wenn dem Verkäufer unklar ist, was er da verkauft. Am besten altes oder sehr altes Spinnrad Massivholz oder was alles im Forum als kuriose Ebay Angebote aufgeführt wird. :eek:

Eine Nachfrage zu Details an diesen erkannten Rädern, wie ob Logo dran ist, machen ich nie, weil dann nach Erkenntniserweiterung beim Verkäufer u.U. die Anzeige gelöscht, vervollständigt und neu mit höherem Preis auftaucht.

Es war dann nach geraumer Zeit nach täglichen Lesen und Fotoschau unter Ebay-Kleinanzeigen so, das gesuchte Rad "Spinnrad inklusive 3 Spulen" mit reinem VB wurde nach Bieten erworben und machte sich per Paket in mit dem Verkäufer abgesprochenen, zerlegten Zustand auf den Weg in unseren Haushalt. Zur Sicherheit hatte ich eine alte Montageanleitung zum Verkäufer geschickt, damit wenig falsch gehen konnte. Hier nochmal großer Dank an Michaela wegen der alten Anleitung.

Das Paket tauchte diese Woche auf und aus diesem ragten mehrere Eisenstangen raus. Dies ist dann der nächste Schritt „Auspacken, Bestands- und Schadensaufnahme“. Mal sehen wir schnell ich schreiben kann, aber nun muss ich mal wieder in den Bastelkeller

Grüße Technik der Lisel


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 16.01.2016, 17:47 
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Da bin ich ja mal gespannt auf die Fortsetzung der Spinnrad-Abenteuer-Geschichte wenn du wieder aus den Tiefen des Bastelkellers auftauchst :wink:

_________________
Schau nie auf die Uhr, es ist immer jetzt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 16.01.2016, 18:55 
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Das hört sich ja sehr spannend an.

Ich darf immer im Wohnzimmer oder Küche auspacken und Bestandsaufnahme machen.
Da hab ich Glück

_________________
Gruß Mathias

---------------------------------------------------
Unmögliches erledigen wir sofort. Wunder, die dauern etwas länger


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 16.01.2016, 20:36 
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Auspacken, Bestands- und Schadensaufnahme

Nichts ist so spannend für mich wie Pakete auspacken. Dies ging mir schon als Kind so, aber damals gab es wohl auch prinzipiell kein Schrott aus dem Paket zu holen. Ist wie eine Wunderkiste, denn wer nicht ein Rad selbst abholt, kann einiges ungewolltes Erleben.

Übrigens die Bolzen die durchs Paket schauten, waren die am Gestell des Spinnrades integrierte Zwirnvorrichtung. Ich dachte, die meisten haben es wieso gewusst.

Wie immer beim Auspacken von Spinnräder einen Bleistift und ein Fotoapparat zu Hand, man weiß ja nie.

Das Spinnrad war teildemontiert, aber nicht ganz wie die Fa. Ashford sich dies vorstellen würde. Ein Holzlagerträger hing noch an der Kurbel, weil der Verkäufer den Sicherungsstift nicht rausbekommen hat (wird auch dann für mich später eine Herausforderung). Eine Seite der Schwungradnabe lag lose in der Kiste. Also bevor nichts mehr nach Reinigung etc. erkennbar, alle Schwungradeinzelteile mit dem Bleistift für die Wiedermontage mit Strichen für den Zusammenbau in ursprünglicher Lage markiert.

Die Spulen ohne Lager entweder mit losen Ende, verbogen oder verfärbt. Kurz hier lohnt sich die Arbeit nicht. Schade ich habe keinen Ofen

Spinnflügel hat eine darauf festgerostete Spule. Diese ist erst mal untrennbar mit dem alten Spinnflügel (nur 2 Geschwindigkeiten) verwachsen. Selbst ein Rundstahl ins Loch der Achse gesteckt und dann die Spule mit Gewalt angefasst, bringt keine Trennung der ineinander verliebten Teile. Jetzt begreife ich auch, warum der Verkäufer sich von diesem Rad getrennt hat. Er sprach am Telefon seine Freundin kam damit nicht klar. Ja so ist es, auch Feinde etc. hätten hier nicht mehr Spinnen können. Irgendwie hat sich ja der Hersteller das Rotieren der Teile anders vorgestellt (Gut ich habe durch meine bisherigen Bauten noch so einen neune schicken Flüge da)

Jede Menge Schmutz, endloser Rost und der Geruch… :rolleyes:

Nun ist es ein Ashford, diese Firma hat ja nicht nur jede Menge Fans, sondern auch vernünftige Fachhändler für Ersatzteile. Als dann machen wir mal eine Liste.

Es fehlt nach derzeitigen Stand oder ist zu ersetzen (könnte man auch Einkaufliste nennen):
• Ashford Standard Spinnflügel FLYR ca. 36,90 € (bei mir noch an diversen Ashford Umbauten da)
• Ausführung 4: Polycord Antriebsriemen Universal, ca. 12,50 Euro (klar würde Baumwollschnur reichen)
• Einzugshaken THRU ca. 1,50 Euro (liegt noch rum bei mir)
• Flügellagerung hinten FLYR1/4 ca. 1,40 Euro
• Flügellagerung vorne FLYR1/2 ca. 1,40 Euro
• Knechtverbindung Leder Leather ca. 2,30 Euro
• 2 Stück Zugfeder TSP a 1,30 Euro = 2,60 Euro
• Spannungsregulierungsknopf ADJK ca. 4,10 Euro
• Bremsregulierungsknopf TKNB ca. 7,50 Euro
• Bremsschnur NYLN ca. 0,95 Euro
• 3 Spulen Ashford Standart Spule SB SBL a 7,50 Euro = 22,50 Euro
• Ashford Wax Polish TW ca. 17,50 Euro (reicht für mehr als 1 Spinnrad und sollte der vollständig halber hier auftauchen
• Sicher 1xVersandkosten mit 5 Euro angesetzt

Bestellt wird natürlich noch nicht, es könnte sich bei ersten Arbeitsschritten ja noch was herausstellen und so spart man doppelte Versandkosten. Gesamtmaterialkalkulation damit wie versprochen schon mal da. ;)

Ich bin da mal weg im Keller und es geht weiter mit dem Sorgenkind Schwungradinstandsetzung. So ein Spinnradneuaufbau steht oder fällt mit der Wiederbelebung eines defekten Schwungrades. Ist es komplett hin, hört hier schon die Geschichte von Rekonstruktionen für die meisten Bastler auf.

Grüße Technik der Lisel


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 17.01.2016, 13:26 
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Schwungradinstandsetzung

Als erstes musste der verdammte Stift aus der schon geteilten Schwungradnabe. Also im Keller den Schraubstock auseinander gefahren, Holz drunter gelegt und Spinnrad mit Kurbel und Lagerträger abgelegt. Weil der Platz zwischen Nabe und Felge des Schwungrades bei Traveller ziemlich klein ist, eine alten Inbusschlüssel auf den Sicherungsstift gelegt und vorsichtig mit dem Hammer versucht das Ding rauszubekommen. Wenn man alles festhalten muss und die Hälfte der Narbe ab ist, wird es einen warm auf dem Rücken bei jedem Schlag auf den Stift. Kurz es geht so nicht.

Also da nun auch lose die Schwungradfelge von der wieso nur halben Narbe abgenommen und schön weggelegt. Achse mit halber Narbe in auf die Alu-Einlagen des Schraubstockes aufgelegt und nun mal eine 3 mm HSS Bohrer zum Ausschlagen verwendet. Denn bitte mit dem Schaft und nicht mit der Bohrerspitze auf den Stift aussetzen. Damit ging der Stift nun raus.
Bitte dran denken HSS Bohrer sind gehärtet und wenn man auf eine Schneide schlägt kann was absplittern. Also Brille auf!

Als nächstens Achse des Schwungrades entrostet und poliert, die beiden Nabenhälften von Dreck und altem Leim befreit.

Dann habe ich das linke und rechte Lagerholz des Schwungrades wieder auf das Grundgestellt montiert und das Schwungrad ohne Leimen (natürlich auch ohne Sicherungsstift) mit der Achse eingebaut. Beide Nabenhälften habe ich mit einer kleinen Zwinge an die gekennzeichneten Stellen (Bleistiftmarkierungen der Lage der beiden Hälften zueinander und in Bezug auf die Speichen) wieder wie vorher zusammengezogen. So konnte ich mir mal den Rundlauf des Schwungrades beim Drehen mit der Hand anschauen. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden.

Nun muss das Schwungrad nur noch geleimt werden. Ich habe nur Erfahrungen zum Verleimen von Schäden an der Felge von Schwungrädern und muss eins vorher noch wissen.
Sind die Speichen beim Traveller auch mit der Nabe verleimt oder nur die beiden Nabenhälften aneinander??? Wenn ich mir die kaum erkennbaren Spuren in der offenen Narbe anschaue, würde ich denken, nur die Nabenhälften waren jemals verleimt und die Speichen nur lose in den Holzaussparungen der Narbe eingesteckt. Könnte ja Sinn machen, wenn das Holz des Schwungrades arbeiten soll?

Kann mir einer der anderen Spinnradtechniker mit seiner Erfahrung helfen bevor ich zuviel oder zuwenig an der Narbe verleime?

Grüße Technik der Lisel


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 17.01.2016, 14:18 
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Hallo lisel,

erst einmal Kompliment für Deine ausführliche Reportage. Besser und detaillierter hätte ich auch nicht schreiben können.

Zum Nabenverleimen:

Betrachte einmal den Mikrocosmos an der Leimstelle. Selbst wenn Du nur die Nabe verleimst, wird immer ein " Kleckerchen" in
den Speichenspalt ziehen und die Speiche in diesem dauerhaft fixieren.

Daher ist ein grosszügigiges Leimeinbringen nicht nachteilig. In dieser Nabe wird Holz nicht arbeiten, da die nur daumenbreite
Einspeichung keine Wirkungen von Holzschrumpfung und Dehnung, Verzug usw. übernimmt.
----------------------------------------------------------------------------------------

Wenn Du wenig Leimspuren am Speichensitz siehst, so ist es auch der Situation AUFSAUGEN geschuldet, denn im Loch sind Stirnholz-
bereiche. Prinzipiell wird aber Stirnholz vom Tischler nicht verleimt, da der Leim hier keine Verbindung eingeht.

Betrachte somit 2 Möglichkeiten zur Speiche- Nabe- Verbindung:
1. die Vollverleimung, wie beschrieben
2. die Druckkontakt- Mechanische Verbindung.

Hierzu solltest Du die halbe Nabe an der Trennstelle etwa 1/2 bis 1 mm plandrehen oder schleifen, trocken auf die alte Stelle aufsetzen.
danach zwischen den Speichen axial, also längs der Nabe, 8x verschrauben ( Holzschraube oder Inbusschraube M4/ M5 mit Mutter).

Wenn Du alles nach und nach festziehst, quer im Wechsel, entsteht im Speichensitz eine Pressung wie in einer Schelle mit Null- Spiel
und das Material liegt direkt aufeinander, ohne den spaltfüllenden Leim.

Ein schönes hat diese Verbindung auch, du kannst den Radschlag in Höhe und auch quer nachregulieren.

Übrigens gibt es auch SPLINTENTREIBER in 3 mm, welche besser als 3mm HSS Spiralbohrer sind ;0)

LG von Jürgen ^..^


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 18.01.2016, 11:52 
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Hallo Liseltechnik,

ich antworte aufgrund des Zeitmangels etwas telegraphisch:

alte Spulen:
Die verbogenen würde ich entsorgen, verfärbte abschleifen. Wenn eine Spulscheibe lose ist, ist es eigentlich ein Vorteil, denn so kann man den Rest einfacher einspannen (sogar im Bohrmaschinenfutter) und nachbearbeiten. Allerdings sind Neue ziemlich billig (leider auch bezüglich der Qualität), sodass sich die Nacharbeit der Alten nicht wirklich lohnt.

Flügel mit festgerosteter Spule:
Aus obigen Gründen (Spule billig) würde ich die festgerostete Spule zerbröseln und die Spindel glatt schleifen/polieren. Gewalt dabei bitte so dosieren, dass die Spindel auch hinterher gerade bleibt.

Schwungrad:
Falls der Rundlauf zufriedenstellend ist, würde ich die Nabe mit Epoxydharz verkleben (satt auftragen, über Beilagen mit Schraubzwingen zusammenpressen bis das Harz herausquillt, mit einem mit Azeton getränkten Lappen sauber abwischen). Vorher muss überlegt werden, wie man das Querloch für den Stift vor dem Harz "retten" kann. Dazu fällt mir ein:
1)Unmittelbar nach dem Kleben mit einem 4 mm Rundstab durchstoßen, ggf. mit Azeton nachhelfen.
2)Ein Messingrohr D=4 außen/ 3 innen einharzen, nach dem aushärten im Achsloch ausbohren, 3 mm Stift verwenden (das Querloch der Achse muss dann auch ausgebuchst werden).
3)Nach dem Aushärten das ggf. hineingequollene Harz ausbohren (Bohrfutter von der Bohrmaschine abschrauben, Bohrer einspannen, manuell am Bohrfutter drehen).
Ich würde wahrscheinlich 1) und 3) kombinieren.

Vor wenigen Wochen habe ich den Umbau bzw. die Modernisierung des zweifädigen Travellers zu Ende gebracht. Falls es die Zeit erlaubt, werde ich einige Fotos bzw. Zeichnungen einstellen, in der Hoffnung, dass es Dir helfen kann.

Gruß
Borek


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 18.01.2016, 20:30 
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Schwungradinstandsetzung (Verleimen)

Vielen Dank erst mal an Jürgen und Borek, ohne deren Auskunft hätten die Arbeiten bei mir sicher noch geruht, denn ich wollte nichts falsch machen. So ein Forum ist doch eine Riesensache!

Ich habe mich für Leimen entschieden, denn dies ist schon der 3. Fall eines Schwungraddefektes bei meinen Einkäufen (alle anderen Fälle waren Schäden an der Felge). Somit war Leim nach meinen Erfahrungen bisher das Mittel der Wahl.

Es wurden ja schon beide Nabenhälften schon gesäubert, geschliffen und deren Lage mit Bleistift sowie Klebestreifen (hatte Angst die Striche bei eventueller Hektik nicht mehr richtig zu sehen) an den Speichen angezeichnet.

Probezusammenbau ohne Leim wurde ja schon durchgeführt. Dabei gab es weder Spalt an den Nabenhälften, noch brauchte man Kraft, um diese Aufeinander zu drücken.

Nun folgendes bereitgestellt:
• 3 gleiche Weckgläser als Unterbau für das Rad
• 3 kleine Zwingen
• 2 Pappscheiben mit Loch ausgeschnitten
• 1 Rolle Küchenpapier
• 1 Eimer warmes Wasser sowie Lappen
• Pfeifenreiniger Rot-Weiß
• 1 Ponal Classic

Erst unter Hälfte der Narbe mit Ponal versehen, auch die Bohrungen der Speichen. Das Rad mit den Speichen wie gekennzeichnet aufgesetzt.

Andere Narbenhälfte in den Speichenausschnitten auch mit Ponal versehen und vorsichtig mit der Hand zusammendrücken. Da vorher schon trocken getestet, ging es fast ohne Spalt. Oben und unten Pappe aufgelegt, Schwungradachse durchgesteckt und das Ganze auf die Weckgläser abgelegt.

Nun die 3 Zwingen gleichmäßig auf der Narbe verteilt und handfest langsam angezogen. Dabei kommt der Leim aus diversen Ritzen, diesen mit der Küchenrolle abwischen.

Nachdem beide Hälften aufeinander liegen, verbliebene Leimreste mit nassen Lappen abwischen.

Nun da alles zusammen ist, die Achse rausziehen, säubern und weglegen.

Den Kanal in der Narbe des Schwungrades nun mit Pfeifenreiniger (bitte Sorte Rot-Weiß beim Tabakhändler des Vertrauens, die fusseln nicht) putzen. In diesem meist 3 Stück zugleich. Ende der Säuberung ist, wenn Reiniger trocken ist und ohne Leimgeruch rausgezogen werden kann.

Als nächstes geht es um die Instandsetzung des alten Spinnflügels (ist schon fertig), aber ich muss mich ja immer entscheiden ob ich im Keller oder vor dem Rechner bin.

Grüße Technik der Lisel


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 18.01.2016, 20:41 
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Die untergelegte Zeitung ist ja besonders treffend gewählt :lol:

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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 19.01.2016, 12:56 
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Hallo Fema,

war mit der Zeitung Zufall und dies glaubt man mir wohl nie. :totlach:

"Nur Mut" trifft aber den Kern der etwas heiklen Schwungradreparatur. Heute nehme ich die Zwingen ab und dann wird das Rad mal im Spinnrad zum Test wieder eingebaut. Wenn alles klappt kommt dann der nächste Teil der "Traveller-Saga" ;)

Der nächste Beitrag ist Spinnflügelreparatur

Grüße Technik der Lisel


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 19.01.2016, 19:35 
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Spinnflügel aufarbeiten

Wollte ich ja wie Anfangs schon erwähnt nicht machen, aber ich war mal neugierig wie weit man sowas treiben kann.

Wie ja auf den ersten Fotos zu sehen, war eine Spule darauf komplett festgegangen. Als ersten Versuch habe ich den Spinnflügel mit dem Wirtel senkrecht auf ein Einweckglas gestellt und auf den Übergang Ende Spinnflügelachse / Spule regelmäßig etwas Ballistol aufgetragen. Immer wenn ich an der Werkbank vorbei gekommen bin, gab es einen Nachschlag. Periodisch wurde dann mit der Hand probiert, ob die Spule sich irgendwie bewegen lässt. Nach 4 Tagen wurde es Zeit für die Variante 2.

In das Auszugsloch in der Spinnflügelachse eine Metallstift gesetzt, damit man nicht die Achse aus dem Holzflügel rausdreht und eine Wasserpumpenzange auf den Spulenkörper gesetzt und dann versucht diesen zu lösen. Ich war dann erstaunt, es löste sich nicht der Spulenkörper, sondern die Metallachse des Flügels vom Einzugslochende. Kurz die Achse ist mit Rechtsgewinde in das Metallteil der Einzugsöffnung eingeschraubt.

Damit hat man nun die pure Achse in der Hand. Hier mit Spulenkern zusammen. Also Brett genommen diese abgelegt und mit einem Stemmeisen den Spulenkern gespalten. Bitte das Stemmeisen tangential aussetzen, sonst trifft man die Achse. Hier wäre es wohl mehr schade um das Stemmeisen als den Rest gewesen.

Nun die Spinnflügelachse entrosten, bei dieser Unmenge von Rost bleiben natürlich Narben, denn zu viel Material kann man nicht wegnehmen. Klar könnte man aus Rundstahl eine neue Achse machen, aber….

Nun noch den Spinnflügel selbst incl. Flügellager schleifen. Das Einzugsloch von innen schleifen indem man sich Schleifpapier um ein Essstäbchen (oder die Griffe von Pinseln aus dem Tuschkasten der Kinder) wickelt.

Fertig, aber eins ist und war mir klar, ein neuer Spinnflügel ist beim Umfang dieses Schadens und dem doch erträglichem Neupreis sinnvoller.

Grüße Technik der Lisel


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 20.01.2016, 09:14 
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Hallo lisel,

dieses Ereignis: Spulenkern sitzt auf Achse fest ist eine Folge von "tiefer" Lagerung Holz/ Stahl, so wie im Bruchbild zu sehen.

Holz ist hygroskopisch, also es wird alle Wetterfeuchte angezogen und wieder abgegeben. Hier auch nach innen.... und bildet Rost.
Durch Drehung und Verdichtung lösen sich Holzbestandteile ab, die u.U. sauer reagieren und durch Lagerreibung, Rauhspitzenpressung,
ein galvanisches Element bilden und die Korrosion weiter begünstigen.

Mein Tip: Spulenkern aufbohren und an den Enden ein Buchse einsetzen. Stöber bei Conrad oder nimm einen 10mm Abschnitt
Nylon-Pneumatikschlauch. den gibt es in 8x1, 10x1 usw.. Eine gedrehte angepasste Bundbuchse währe natürlich perfekt.

LG von Jürgen ^..^


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 20.01.2016, 20:37 
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Alte Spulen ohne Lagerung aufarbeiten

Wenn man so auf die Timeline bei Ashford für Tradis schaut, wurden Nylon Lager in die Spulen ab 1983 eingebaut. Diese Spulen ohne separate Lagerung sind ja baugleich und damit ist sicher das Alter klar.

Eine Aufarbeitung dieser alten Spulen lohnt sich genau wie Borek es auch sieht eigentlich nicht. Das Material ist mürbe und die Genauigkeit von damals ist anders als heutzutage.

Sofern die Spulen keine Lagerung mit Bundbuchsen etc. haben, wird Rost, klemmen etc. dein ständiger Begleiter sein. Ich denke Jürgen hat dies sehr ausführlich in diesem Tread erläutert.

Eine Nachrüstung von Lagern, habe ich schon bei meinem ersten Tradi nach langem Nachdenken verworfen, denn ich wollte Standartlager von Ashford nachträglich einbauen. Nun ist aber der Außendurchmesser des alten Spulenkerns d=15 mm. Bei den neuen Spulen ist der Außendurchmesser d=20 mm.
Der Ashford-Spinnflügel hat einen D=1/4"=6,35mm und damit bleibt keine Wandstärke mehr am Spulenkern für das Einsetzen nachträglicher Lager übrig (siehe Bild Größenvergleich). Klar könnte man einen neuen Spulenkern herstellen…. Schaut man sich dann noch die alten Spulenscheiben an, kann man getrost komplette vernünftige Spulen neu bauen.

Dies ist ausdrücklich nur die Erkenntnis bei Ashford, denn sofern die Spulen von anderen Spinnradtypen sind, die extrem teuer oder nicht beschaffbar sind, ist die Beschreibung von Jürgen zur Nachrüstung sicher richtig.

Der Bezug von 3 Stück Spulen Ashford Standart Spule SB SBL a 7,50 Euro = 22,50 Euro halte ich für eine endgültige Problemlösung an diesem Spinnrad für sinnvoll. Wir haben das Problemgleich am Anfang meiner Bastelwerke gleich endgültig entschieden, indem ich für unser 1. Ashford Spinnrad (1-fädig) gleich 2-fädige Spulen gebraucht+ super günstig nachgekauft habe. Dies war richtig, da ich meiner Frau auch später ein 2-fädiges Tradi "zusammengeschraubt" habe. ;)

So kann die Lisel, egal welches Spinnrad zu den 2-fädigen Spulen greifen und der Bestand an Spulen ist damit für alle unsere Ashfords im Haus verfügbar. Auch das grade zu überholende Traveller darf dann auf diesen Spulenbestand zurückgreifen. :]

Die Überarbeitung habe ich nur gemacht, damit es was zu lesen gibt. :)
Wenn die Spulen überholt sind, werden diese wie immer an eine nette Bekannte verschenkt, die sich wirklich darüber freut, denn Neukauf ist bei ihr nicht drin.

Also noch die Kurzform der Überholung:

• Spulen entfetten mit Spiritus

• Spulenachse innen mit Pfeifenreiniger (man ahnt, es kommt wieder der Hinweis auf Sorte Rot/Weiß), diese erst feucht mit Spiritus dann trocken durchziehen bis sauber

• Jetzt mal die Spulen auf eine Spinnflügelachse stecken, ob dies geht und sich dort vernünftig dreht

• Wenn nicht Handreibahle durchziehen (bei Achse mit 6,4 mm sollte das Loch ca. 0,2 mm größer sein, also Handreibahle 6,5- 6,6 könnte schon gehen)

• Schleifen, für gekrümmte Flächen wir die Scheiben funktioniert prima ein Schleifschwamm z.B. Bosch wie auf einem Bild zu sehen

• Lose Spulenscheiben wen total lose vom Spulenkern abziehen und alles immer so ablegen, damit jedes Teil zu jeder Spule wieder den richtigen Platz findet

• Eine Spinnflügelachse (war hier ja noch einzeln bei der Demontage) oder anderen Rundstahl waagerecht in Schraubstock spannen

• Immer den Spulenkern und nur diesen mit Ponal bestreichen (anders herum gibt es mehr zu wischen), die Spulenscheiben raufschieben

• das Ganze auf den waagerecht eingespannten Stahl als Einheit draufschieben und hier die beiden Seitenteile der Spule ausrichten.

• Vorsichtig überschüssigen Leim mit nassen Lappen abwischen

• Trocknen lassen

• Leimspuren verschleifen, wo diese optisch stören, auch abgewischte Flächen nachschleifen sonst sind diese später nach Wachsen zu sehen


Als nächstes muss ich das zum Bauen nicht mehr als Hilfsmittel benötige Gestell des Rades demontieren, säubern, schleifen, Metallteile entrosten und dann kommt Endbehandlung + Montage.

Mal sehen wegen der Fortsetzung hier, könnte ja werden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 21.01.2016, 08:29 
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lisel hat geschrieben:
Alte Spulen ohne Lagerung aufarbeiten

...
Sofern die Spulen keine Lagerung mit Bundbuchsen etc. haben, wird Rost, klemmen etc. dein ständiger Begleiter sein. Ich denke Jürgen hat dies sehr ausführlich in diesem Tread erläutert.

Eine Nachrüstung von Lagern, habe ich schon bei meinem ersten Tradi nach langem Nachdenken verworfen, denn ich wollte Standartlager von Ashford nachträglich einbauen. Nun ist aber der Außendurchmesser des alten Spulenkerns d=15 mm. Bei den neuen Spulen ist der Außendurchmesser d=20 mm.
Der Ashford-Spinnflügel hat einen D=1/4"=6,35mm und damit bleibt keine Wandstärke mehr am Spulenkern für das Einsetzen nachträglicher Lager übrig (siehe Bild Größenvergleich). Klar könnte man einen neuen Spulenkern herstellen…. Schaut man sich dann noch die alten Spulenscheiben an, kann man getrost komplette vernünftige Spulen neu bauen.
...


Meine alten Spulen bekommen immer Lederlager. Ich hab es auch vor einiger Zeit beschrieben.
Mein Leder ist 2 mm dick. Das Loch im Spulenkern vergrößere ich um 4 mm. Meine alten, meist handgeschmiedeten Flügelwellen sind meist 6 - 7 mm im Durchmesser.

Das Leder schneide ich als Trapetz, ca.45°, 1 cm Breit als Lagerbreite und die Länge der Trapezkante = Umfang der Flügelwelle.
Zusammengerollt - eingeklebt - Welle eingesteckt - trocknen lassen - danach leicht nachschleifen - Fetten
Die Spulen laufen dann wunderbar leicht und geräuschlos.

Dadurch, daß das Leder als Trapez geschnitten ist, gibt es keinen Stoß -Leder an Leder-, sondern ein hinübergleiten über die Schnittkante.

_________________
Gruß Mathias

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Unmögliches erledigen wir sofort. Wunder, die dauern etwas länger


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 Betreff des Beitrags: Re: Ashford Traveller
BeitragVerfasst: 21.01.2016, 08:53 
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Ich bewundere Eure Akribie und Geduld bei der Restauration der Räder.

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Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen.


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